Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Sie gehen leise und müssen nicht schrein,
Oft sind die alt und häßlich und klein, die Engel.

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel.

Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
Oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.

Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel.

Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
Er hört, wenn du ihn rufts in der Nacht, der Engel.

Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel,

Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein ­
Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Rudolf Otto Wiemer

Gestern Abend auf dem Heimweg vom Hauskreis kam es mir vor, als wenn wir selbst Engel gewesen wären für jemanden, der uns gerade brauchte.

Die Straße war glatt und nicht mehr viel befahren. Da sahen wir im Straßengraben bzw. im Schnee ein Auto feststecken – Warnblinkanlage an und eine Frau, die mit Schaufeln beschäftigt war. Als wir näher kamen, erkannten wir sie: Sie war auch aus unserem Hauskreis und etwa 1/4 h vor uns losgefahren. Auf der glatten Straße war sie ins Schleudern gekommen und hatte die Gewalt über ihr Fahrzeug verloren. Wir hielten an und kurz danach kam noch ein anderes Auto, in dem auch jemand saß, den die Frau kannte. Sie sagte: „Dass ihr beide jetzt gerade kommt…“ Allein hätte sie es wahrscheinlich nicht geschafft, aus dem Schneehaufen rauszukommen. Gemeinsam schaufelten wir die Räder frei und mit Ziehen und Schieben kam das Auto wieder auf die Straße.

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Aber sie sind zur richtigen Zeit am richtigen Platz und Gott gebraucht oft Menschen dazu, Engel für andere zu sein. Es war ein gutes Gefühl, für jemanden in Not zur rechten Zeit da sein zu können.