Gerade habe ich meinen Mann zum Zug geschafft und mich von ihm verabschiedet. Jetzt werden wir uns längere Zeit nicht sehen – eine spannende Zeit. Aber die Reha wird ihm nützen, er braucht sie und es ist ja auch nichts Lebensbedrohliches (wie z.B. die Chemo vor 12 Jahren).

Gestern Abend, als wir gerade einschlafen wollten, fiel ihm ein, dass er noch etwas vergessen hat: seinen Ring. Normalerweise trägt er den nicht, weil er ihn bei der Arbeit behindert. Aber jetzt hat er mich bei sich, jedenfalls steht mein Name in dem Ring. Und ich habe auch ein Stück von ihm bei mir: außer meinem Ring, den ich ständig trage, auch unsere Tochter, die ja auch etwas von meinem Mann ist.

Eine Freundin hat mir zum Geburtstag „Tapferkeitstoffees“ geschenkt. Die werde ich mir jetzt schön einteilen, hab sie schon mit Datum nummeriert; so sehe ich, wie viele Tage ich noch vor mir habe.

Auf dem Innendeckel steht ein schöner Spruch:

Mut und Besonnenheit paarten sich,
Ihr geliebtes Kind nannten sie Tapferkeit.

Mein Schatz hat sich von mir mit den Worten verabschiedet: Du schaffst das schon! Das denke ich auch, aber als ich dann allein zum Auto ging, fühlte ich mich doch irgendwie nur halb…

Auf dem Bahnsteig habe ich noch ein Bild von ihm gemacht. Mit seinem 20-kg-Rucksack sah er aus, als wenn er eine Bergtour unternimmt.