15 Jahre lang bin ich nun schon Hausfrau. In meinem „früheren Leben“ (bevor ich Mama wurde), habe ich als Krankenschwester gearbeitet. Außer mit dem Haushalt und meiner Familie ist meine Zeit ausgefüllt durch diverse Aufgaben, die ich in unserer Gemeinde mit übernommen habe. Aber mit der Zeit braucht mich unsere Tochter immer weniger. Vor ein paar Jahren bin ich noch 2-mal in der Woche mit in die Musikschule gefahren und habe dort die Streichergruppe am Klavier begleitet. Das ist Anfang vorigen Jahres auch weggefallen. Mein Hobby habe ich zum (Neben-)Beruf gemacht und unterrichte ein paar Schüler in Klavier und Gitarre. Aber das alles ist nicht so viel, dass ich mich richtig ausgefüllt fühle. An manchen Tagen habe ich so etwas wie Langeweile und ich muss einen (oder mehrere) Schrubber unter die Decke stellen, damit sie mir nicht auf den Kopf fällt.

Nun habe ich vorgestern einen Schritt getan. Mir ist klar geworden, dass ich innen drin doch Krankenschwester bin und da eigentlich auch gern wieder in meinem Beruf arbeiten würde, zwar nicht 3 Schichten aber etwas im ambulanten Bereich könnte ich mir schon vorstellen. Ich kenne eine Ärztin, die zurzeit ihre Ausbildung im Fach Allgemeinmedizin absolviert (das ist ihre zweite Fachrichtung, vorher war sie im Krankenhaus tätig). Ich habe sie angerufen und sie gefragt, ob sie, wenn sie sich niederlassen wird, eine Krankenschwester für ein paar Stunden brauchen könnte und dass ich eine wäre. Sie war ganz überrascht zu erfahren, dass ich Krankenschwester bin, das wusste sie nämlich nicht. Jedenfalls hat sie sich’s notiert und wird zu gegebener Zeit auf mich zukommen. Das dauert aber noch bis Ende des Jahres, bis sie mit ihrer Ausbildung fertig ist.

Jedenfalls habe ich jetzt Aussicht, dass sich an meiner jetzigen, für mich nicht ganz befriedigenden Situation (irgendwann) was ändern wird – eine neue Perspektive. Und jetzt brauche ich nicht mehr ganz so viele Schrubber, um die Zimmerdecke oben zu halten. 🙂

Beim Bibellesen stieß ich am nächsten Tag auf den Vers aus Ruth 4,18: „Warte in Ruhe ab, meine Tochter, bis du erfährst, wie die Sache ausgeht.“ – Das ist jetzt zwar total aus dem Zusammenhang gerissen, aber ich habe mich einfach mal getraut, das auf mich zu beziehen. (Was nicht heißen soll, dass man ungestraft immer alle Bibelstellen aus dem Zusammenhang reißen darf.)