Heute hatte ich in meinem Adventskalender, der aus 24 Zettelröllchen besteht, folgenden Text – es ist ein Gebet:

Langsamer gehen

Lass mich langsamer gehen, Herr. Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillewerden meiner Seele.
Lass meine hastigen Schritte gleichmäßiger werden mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit. Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln durch die sanfte Musik der singenden Wasser, die in meiner Erinnerung lebendig ist.
Lehre mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks. Lass mich langsamer gehen, um eine Blume zu sehen, ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, ein Kind zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen. Lass mich langsamer gehen, Herr, und gib mir den Wunsch, meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken, damit ich emporwachse zu meiner wahren Bestimmung.

aus Südafrika

Heute habe ich so einen Text gebraucht, denn der Tag fing schon mit einem Fehl-/=Hochstart an: Ich hatte verschlafen. Mein Mädchen wartet immer, bis sie geweckt wird, so schaffte sie also ihren Bus nicht mehr und ich musste sie zur Schule fahren. Dann waren die Kinder einer Freundin in den Kiga zu schaffen, das mache ich immer donnerstags, ich musste noch Essen vorkochen, weil ich am Vormittag Klavierunterricht hatte. Gerade mal fünf Minuten schaffte ich es noch, mich hinzusetzen, eine Tasse Tee zu trinken und meine Gedanken zu sammeln. Aber dann habe ich die Zeit im Auto bewusst als „Pause“ genutzt, das Radio aus und meinen Gedanken freien Lauf gelassen (auf den Verkehr habe ich mich schon noch konzentriert). Und da heute unterwegs alles gut ging – keine Umleitung und keine Baustellen – konnte ich vor dem Unterricht noch eine Viertelstunde einfach nur dasitzen. Ich bin dabei, die Kunst der freien Augenblicke zu lernen. Und ich muss es auch noch lernen, meinen Tag nicht zu vollzuplanen.